Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, wie wird das gemacht?

Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE)  hat sich zur Behandlung von Lymphödemen bewährt. Durch milde mechanische Reize werden die Lymphgefäße zu einem besseren Abtransport der Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe angeregt. Bei der KPE arbeitet der Therapeut in Zusammenarbeit mit dem Patienten von der Entstauung hin zur Erhaltung.

Entstauung: die erste Phase der KPE

Zu Beginn wird das Ödem so weit wie möglich reduziert.

Möglichst täglich werden in den ersten Wochen 4 Schritte durchgeführt:

  • Manuelle Lymphdrainage:
    Der Therapeut wendet spezielle Griffe an, die die Haut gezielt dehnen. Dadurch werden Fasern unter der oberen Hautschicht gestreckt und die Lymphkapillare können mehr Lymphe aufnehmen. Bei den größeren Lymphgefäßen wird die Muskulatur gestärkt und dadurch ihre Pumpleistung erhöht.
  • Kompressionsbandage: mit gewickelten Bandagen wird von außen beständiger Druck auf die Gefäße ausgeübt. Dadurch verengen sich die Blutgefäße, die Lymphklappen schließen wieder und der Lymphstrom erhöht sich. Bandagen können immer wieder der sich verändernden Körperform angepasst werden.
  • Hautpflege: die durch ein Ödem gespannte Haut verliert zunehmend an Spannkraft. Dies leistet den Ödemen Vorschub. Es sollte darauf geachtet werden, die natürliche Kompression der Haut mit rückfettenden Pflegeprodukten zu erhalten. Eine geschmeidige Haut ist auch nicht so verletzungsanfällig. Eventuell auftretende Hautrisse werfen den Behandlungserfolg wieder zurück, da die Kompression erst wieder fortgesetzt werden kann, wenn die Verletzungen verheilt sind.
  • Bewegungstherapie: Körperliche Aktivität ist die natürlichste Form der Entstauung. Mit dem Körper kommt auch die Lymphe in Bewegung.

Massageformen

Für eine wirkungsvolle Wasserableitung aus Ödemen ist die manuelle Lymphdrainage unabdingbar. Der erfahrene Therapeut kennt die Anatomie des Körpers und der Lymphbahnen. Er weiß mit welchem Druck und mit welchen speziellen massierenden Griffen er die Lymphe aus ihrem Stauungsbereich herausführt.

Mehr Informationen zur manuellen Lymphdrainage finden Sie hier.

Zusätzlich eingesetzt bringt die apparative Kompressionstherapie für die Patienten große Erleichterung. Zur Unterstützung der manuellen Lymphdrainage werden Geräte eingesetzt, die mittels Luftdruck in Bein- und Armmanschetten die Fließbewegung der Lymphe zum Herzen unterstützen. In Kliniken und Kurhäusern werden die Geräte immer mehr eingesetzt. Auch in der Heimanwendung haben sich die Geräte als sehr sinnvoll erwiesen. Der Patient muss nicht für jede Anwendung ein Rezept vom Arzt holen und einen Termin beim Therapeuten organisieren. Selbstverständlich bleiben die Arzt- und Therapiebesuche wichtig. Aber man möchte ja gerne mehr für seinen Körper tun. Dennoch sollte ein Entstauungsgerät nicht ohne Absprache mit dem Arzt angeschafft werden. Er wird Hinweise geben, worauf bei Ihrem Beschwerdebild zu achten ist.

Lesen Sie hier mehr zu Lymphdrainage-Geräten.

Kompression

BandageIn der Kompressionstherapie kommen elastische Bandagen und Kompressionsstrümpfe zum Einsatz. Mit leichtem Druck wird der Lymphabfluss gefördert. Es wird verhindert, dass es erneut zu Ödemen kommt. In der ersten Phase der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie, der Entstauungsphase, werden Kompressionsverbände eingesetzt. Mit diesen Bandagen kann man den Druck durch die Straffheit der Wickelung immer wieder an die veränderten Formen und Umfänge der Ödeme anpassen. Dies ist schwierig selbst durchzuführen und sollte von einem erfahrenen Therapeuten übernommen werden.

In der zweiten Phase der KPE, der Erhaltungsphase, können medizinische Kompressionsstrümpfe entsprechend der individuellen Maßen des Patienten getragen werden. Der von überschüssigem Wasser befreite Körperteil verändert sich in seiner Beschaffenheit und Form kaum noch. Deshalb ist es dann möglich individuell angepasste Strümpfe an Beinen oder Armen einzusetzen. Diese sind für die Patienten angenehmer, da beim An- und Ausziehen nicht unbedingt ein Therapeut erforderlich ist.

 

Hautpflege

Hautpflege ist ein wichtiger Bestandteil der LymphdrainageDie Pflege der Haut ist bei Ödemen sehr wichtig. Unter der Anspannung des Gewebes wird die Haut extrem empfindlich. Besonders Lipödeme verursachen bei Berührung große Schmerzen und es ist eine Neigung da, schnell blaue Flecken zu bilden.

Es gibt gute Pflegeprodukte, die rückfettend wirken. Dies macht die Haut geschmeidig, erhöht ihre Spannkraft und vermindert die Verletzungsanfälligkeit.

Bewegungstherapie

leichter SportDie körperliche Bewegung ist ein wichtiges Mittel, den Fluss der Lymphe zu fördern.
Dabei soll es man keinen Sport treiben, der zu einer Überanstrengung führt.

Leichtes Training stärkt die Muskeln und unterstützt das Ziel, die Lymphe aus dem Bereich der Stauung zu befördern. Ein besonders guter Effekt tritt ein, wenn man mit angelegten Bandagen Übungen durchführt.

Bewegung und Bandagen verstärken ihre Wirkung gegenseitig.

 

Erhaltung: die zweite Phase der Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)

ErhaltungstherapieIn der Erhaltungsphase übernimmt der Patient zunehmend Eigenverantwortung. Mit gezielter Bewegung und Ernährung kann der Körper unterstützt werden, die Transporttätigkeit wieder voll zu übernehmen.

Wenn möglich: Beine hochlegen und enge Kleidung meiden. Das sind Maßnahmen, die jeder Patient kennt, die aber in dieser Phase besonders wichtig sind.

Weiterhin ist moderater Sport eine Tätigkeit, die regelmäßig in den Tagesablauf aufgenommen werden sollte.

Vom Therapeuten werden die Schritte der ersten Phase der Entstauungstherapie nach Dringlichkeit und Absprache weiter durchgeführt, jedoch in größeren zeitlichen Abständen: circa alle 1 bis 2 Wochen.

Am Tag der Therapie wird die Kompressionsbandage angelegt. Muskeltraining mit gleichzeitigem Druck durch die Kompression hat eine besonders gute Wirkung auf den Lymphabfluss.

Zuhause kann der Patient einen Kompressionsstrumpf tragen. Mit dem Strumpf ist man nicht mehr darauf angewiesen, sich die Bandage anlegen zu lassen. Dies wird von Patienten als sehr angenehm empfunden.